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Die Decke war die von einem Keller. So schwer und niedrig, dass die Gäste den Kopf beugten, wenn sie den Raum durchquerten, weil sie das Gewicht im Nacken spürten. Die runden Nischen mit roten Polstern waren in Steinwände eingelassen, die nach Alter und Feuchtigkeit aussahen. Es gab keine Fenster, nur blaue Lichtflecken an der Decke, totes blaues Licht wie von der Notbeleuchtung eines Hotelflurs. Man stieg über eine schmale Treppe hinab in den Raum wie in einen tiefen Keller. Es war die exklusivste Bar von New York, gebaut in das oberste Stockwerk eines Wolkenkratzers.

An einem Tisch saßen vier Männer. Sechzig Stockwerke über der Stadt sprachen sie nicht laut, wie man es in der Freiheit dieser Höhe erwarten könnte, sondern leise mit verhaltenen Stimmen, die zu einem Keller passten.

„Die Umstände und Verhältnisse", sagte Orren Boyle. „Umstände und Verhältnisse absolut außerhalb menschlicher Einflussnahme. Wir hatten alles vorbereitet, deine Schienen zu produzieren, Jim. Aber dann gab es unvorhersehbare Ereignisse, die niemand hat verhindern können. Du hättest uns wenigstens eine Chance geben sollen, Jim."

„Uneinigkeit", knurrte James Taggart, „scheint die Wurzel aller gesellschaftlichen Probleme zu sein. Meine Schwester hat einen gewissen Einfluss bei einer gewissen Gruppe unserer Aktionäre. Dieser störende Einfluss ist nicht immer zu unterbinden."

„Du sagst es, Jim. Uneinigkeit, das ist das Problem. Ich bin absolut der Meinung, dass in unserer komplexen Industriegesellschaft kein Unternehmer auf Dauer bestehen kann, ohne andere Unternehmen zu unterstützen."

Taggart nahm einen Schluck von seinem Drink und stellte ihn schnell wieder auf den Tisch. „Ich wünschte mir, sie würden den Barkeeper feuern", sagte er.

„Man braucht sich doch nur Associated Steel anzusehen. Wir haben das modernste Stahlwerk des Landes und die beste Unternehmensführung. Das ist eine unbestreitbare Tatsache, denn wir haben voriges Jahr den Effizienz-Preis des GlobeMagazins verliehen bekommen. Also dürfen wir behaupten, wir leisten unser Bestes, und keiner kann uns Vorwürfe machen. Aber das hilft alles nichts, wenn der Erzabbau zu einem nationalen Problem wird. Wir bekommen nicht genug Eisenerz, Jim."

Taggart sagte nichts. Er saß da, mit den Ellenbogen auf die Tischplatte gestützt. Der Tisch war unkomfortabel klein, und das machte es für seine drei Begleiter noch unkomfortabler, aber sie gönnten ihm dieses Privileg.

„Niemand bekommt noch Erz geliefert", meinte Boyle. „Die Bergwerke sind erschöpft, weißt du, die Geräte sind verschlissen, es gibt Engpässe beim Material und Schwierigkeiten beim Transport und jede Menge anderer Umstände, auf die wir keinen Einfluss haben."

„Der Erzabbau ist im Niedergang. Und das reißt die Fabriken für Bergbaumaschinen mit", erklärte Paul Larkin.

„Es ist erwiesen, dass jedes Unternehmen von jedem anderen Unternehmen abhängig ist", sagte Orren Boyle. „Also sollte jeder an den Lasten der Anderen beteiligt werden."

„Das ist richtig, denke ich", sagte Wesley Mouch. Aber niemand hatte sich je dafür interessiert, was Wesley Mouch sagte.

„Meine Absicht ist es", erklärte Orren Boyle, „das freie Unternehmertum zu retten. Es steht unter Beschuss, das sieht jeder. Wenn wir der Gesellschaft nicht beweisen können, dass wir auch sozial sind und soziale Verantwortung übernehmen, wird das Volk die freie Marktwirtschaft irgendwann abschaffen. Wenn wir die Öffentlichkeit nicht überzeugen können, dann ist sie erledigt, da darf man sich nichts vormachen."

Orren Boyle war vor fünf Jahren aus dem Nichts aufgetaucht und hatte es seitdem auf das Cover jedes landesweiten Magazins geschafft. Sein Startkapital waren 100.000 Dollar gewesen und dazu beschaffte er sich eine staatliche Bürgschaft für einen 200 Millionen Dollar Kredit. Jetzt stand er an der Spitze eines Großkonzerns, der viele kleinere Unternehmen geschluckt hatte. Er war der lebende Beweis, wie er gerne sagte, dass fähige Unternehmer es noch immer zu etwas bringen konnten.

„Die einzige Rechtfertigung für Privatbesitz", verkündete Orren Boyle, „ist Gemeinnützigkeit."

„Das, denke ich, kann niemand bestreiten", sagte Wesley Mouch.

Orren Boyle trank geräuschvoll aus seinem Glas. Er war ein korpulenter Mann mit großspurig männlichem Auftreten; alles an seiner Persönlichkeit strotzte von lautstarker Lebensfreude, nur die schmalen Schlitze seiner dunklen Augen passten nicht dazu.

„Jim", sagte er, „Rearden Metall scheint ein kolossaler Schwindel zu sein."

„Hm, ja", antwortete Taggart.

„Es gibt keinen einzigen Experten, der ein positives Gutachten dazu abgegeben hat."

„Nein, keinen." „Wir verbessern Bahnschienen seit Generationen, indem wir ihr Gewicht erhöhen. Stimmt es, dass dieses Rearden Metall leichter ist als die billigsten Stahlsorten?"

„Das stimmt", sagte Taggart. „Viel leichter." „Aber das ist lächerlich, Jim. Es ist physikalisch unmöglich. Für deine vielbefahrenen Hochgeschwindigkeitsgleise?" „Das stimmt."

„Da beschwörst du dir eine Katastrophe herauf."

 „Ich nicht, meine Schwester."

Taggart nahm sein Glas in die Hand und schwenkte langsam den Drink. Es wurde einen Moment still. „Der Nationalverband der Stahlindustrie", sagte Orren Boyle, „hat eine Resolution verabschiedet, ein Komitee einzuberufen, um das Thema Rearden Metall zu untersuchen - im Bezug auf eine Gefährdung der Öffentlichkeit."

„Das ist eine weise Entscheidung, meiner Meinung nach", sagte Wesley Mouch. „Wenn alle zusammenarbeiten", Taggarts Stimme wurde plötzlich schrill, „wenn alle an einem Strang ziehen, wie kann ein Einzelner sich dann dagegen stellen? Mit welchem Recht, will ich wissen?" Boyles Augen hefteten sich an Taggarts Gesicht, aber im spärlichen Licht der Bar konnte man Gesichter nicht klar erkennen: er sah nur einen blassen, bläulichen Fleck. „Wenn wir an die Verknappung der natürlichen Ressourcen denken", sagte Boyle beruhigend, „wenn wir an die lebenswichtigen Rohstoffe denken, die für ein unverantwortliches eigennütziges Experiment verschwendet werden, wenn wir an das Erz denken…" Er beendete den Satz nicht. Er sah wieder zu Taggart hinüber. Aber Taggart schien zu wissen, dass Boyle abwartete, und genoss das Schweigen. 

„Die Öffentlichkeit hat ein grundlegendes Interesse an den natürlichen Ressourcen, Jim, Ressourcen wie Eisenerz. Der Staat kann keine Verschwendung durch verantwortungslose, gesellschaftsfeindliche Individuen erlauben. Privatbesitz ist schließlich nur eine Treuhandschaft, die der Gesellschaft als Ganzes dienen muss."

Taggart schaute zu Boyle und lächelte. Das Lächeln war absichtsvoll und wollte sagen, dass Taggarts folgende Worte eine Zustimmung zu Boyles vorausgegangenen beinhalteten. „Das Gesöff, das sie hier ausschenken, ist eine Zumutung. Ich nehme mal an, dass ist der Preis, den wir dafür bezahlen müssen, hier nicht vom Pöbel umringt zu sein. Aber mir wäre lieber, wenn sie auch begriffen, dass sie es bei uns mit Experten zu tun haben. Wer zahlt, schafft an, und ich hätte gerne den angemessen Service und den entsprechenden Spaß für mein Geld."


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Ich bin Uwe Albrecht

Nichts weiter als ein Suchender nach dem Sinn des Lebens. So wie wir alle.
Wenn ich auf mein Leben bisher zurückschaue, erkenne ich den großen Sinn aller Erfahrungen und Lebensgeschichten.

Alles hatte seinen Sinn. Denn wenn es den nicht hätte, wäre es ja überhaupt sinnlos, dass ich überhaupt existiere.
(So hat es Burkhardt Heim gesagt.)

Es ist mir eine Freude, meine Suche, Gedanken, Zweifel, Erkenntnisse, Freuden und Lebensschritte hier mit euch zu teilen.

Ich stehe hier nackt vor euch, denn zu verbergen habe ich nichts.

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